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Elektrolyse-Förderung im Land

Das Förderprogramm für Elektrolyseure (ELY) unterstützt die Vor-Ort-Erzeugung von grünem Wasserstoff in Baden-Württemberg. Gefördert wird die Neuerrichtung lokaler Elektrolyseure mit integrierten Konzepten zur Herstellung von erneuerbarem Wasserstoff für die regionale Versorgung.

Wasserstoff-Hubs durch regionale Elektrolyse aufbauen

Um die regionalen Erzeugungskapazitäten für grünen Wasserstoff ausbauen zu können, stellt das Land mit dem ELY-Programm Fördermittel in Höhe von insgesamt 100 Millionen Euro bereit. Unterstützt wird die lokale Erzeugung von erneuerbarem Wasserstoff durch Wasser-Elektrolyse.

Ziel ist es, schon mittelfristig eine hinreichende Versorgung und Abnahme mit Wasserstoff zu erreichen und die Wettbewerbsfähigkeit der baden-württembergischen Unternehmen zu sichern. Der Fokus liegt auf dem Aufbau von Wasserstoff-Hubs in Baden-Württemberg. Die Elektrolyseure und Wasserstoff-Hubs sollen dabei weitestgehend im Einklang mit dem regionalen Ausbau des Stromnetzes und dem regionalen Ausbau von Erneuerbaren-Energien-Anlagen (EE-Anlagen) errichtet beziehungsweise erweitert werden. Der parallele Auf- und Ausbau ist von hoher Bedeutung für die Energiewende und das Erreichen der Klimaschutzziele in Baden-Württemberg.

Förderung für erste acht Projekte

Im ersten Förderaufruf schaffen die ausgewählten Projekte eine neue Elektrolyse-Kapazität von 55 Megawatt in Baden-Württemberg. Am 17. Dezember 2025 haben die acht Förderprojekte ihre Zuwendungsverträge erhalten und wurden im Rahmen der Jahresabschlussveranstaltung der Plattform H2BW erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Projekte im ersten Förderaufruf des ELY-Programms werden mit Landesmitteln in Höhe von 50,7 Millionen Euro unterstützt. Für den zweiten Aufruf im Jahr 2026 stehen erneut rund 50 Millionen Euro zur Förderung lokaler Wasserstoff-Erzeugung mittels Elektrolyse zur Verfügung.

Die Abfallwirtschaft Rems-Murr AöR (AWRM) plant die Errichtung eines 10-MW-PEM-Elektrolyseurs am Entsorgungszentrum Winnenden. In Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Winnenden soll eine regionale Versorgung mit grünem Wasserstoff für das umliegende Gebiet aufgebaut werden. Ziel des Projekts ist die nachhaltige Erzeugung und Verteilung von Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Konditionen, um die Entwicklung einer lokalen, klimafreundlichen und resilienten Wasserstoff-Wertschöpfungskette im Rems-Murr-Kreis zu fördern.

Durch die Erzeugung von grünem Wasserstoff sollen sowohl bestehende als auch zukünftige Engpässe im Stromtransportnetz reduziert und die steigende Nachfrage nach Wasserstoff in der Region bedient werden. Zudem wird die Nutzung der entstehenden Abwärme einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des lokalen Wärmenetzes der Fernwärme Winnenden leisten.

 

Die Sauerstoffwerk Friedrichshafen GmbH realisiert am Standort Aitrach-Ferthofen den Aufbau und den Betrieb eines 5-MW-PEM-Elektrolyseurs. Ziel ist die regionale Bereitstellung von zertifiziertem, erneuerbarem Wasserstoff in höchsten Qualitäten, die Stärkung einer dezentralen Wasserstoff-Versorgungs-infrastruktur in Süddeutschland und die Skalierung bestehender kunden-individueller Vertriebskapazitäten.

Das Projekt verbindet technologische Innovation durch die energieflexibel betriebene PEM-Elektrolyse zur Erfüllung der RFNBO-Zertifizierung und der Wasserstoffversorgung in kunden-individuellen Vertriebskonzepten via Flaschen, Bündeln, Bündel-Großspeichern, stationären Tankanlagen und Wasserstoff-Tanktrailern.

 

Die Stadtwerke Stuttgart erweitern den derzeit im Bau befindlichen Green Hydrogen Hub im Stuttgarter Hafen um einen vierten 3-MW-PEM-Elektrolyseur sowie zusätzliche Speichertechnik. Damit steigt die geplante Gesamtkapazität der Anlage von neun Megawatt auf zwölf Megawatt Elektrolyseleistung.

Die Region Stuttgart weist einen wachsenden Bedarf an grünem Wasserstoff auf – insbesondere im Schwerlastverkehr, ÖPNV und in der Industrie. Bislang fehlen lokale Erzeugungskapazitäten und Wasserstoff wird zu 100 Prozent importiert. Der Green Hydrogen Hub soll diese Lücke schließen, indem er künftig regional erzeugten, hochreinen grünen Wasserstoff über die H2-GeNeSiS-Pipeline und per Trailerverladung bereitstellt.

 

Die SWU Energie GmbH errichtet eine 10-MW-PEM-Elektrolyseanlage im Norden von Ulm. Direkt an der A8 soll die Anlage grünen Wasserstoff aus Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft erzeugen. Aufgrund der wachsenden Anzahl an Erneuerbare-Energien-Anlagen im Umkreis von Ulm und der Verwendung von Überschussstrom in der Anlage kann der Elektrolyseur als flexible Last das Netz entlasten. Mit dem erzeugten Wasserstoff sollen verschiedene Abnehmer aus Industrie und Mobilität beliefert werden. Gleichzeitig wird eine Direktleitung zur nahegelegenen "Tankstelle der Zukunft" geprüft.

Das Projekt H2Bridge ist damit das fehlende Puzzleteil der Energiewirtschaft in der Region Ulm und Alb-Donau.

 

Das Projekt HYDROPORTKEHL zielt darauf ab, ein umfassendes Wasserstoff-Ökosystem im Hafen Kehl zu etablieren. Die RMA Kehl GmbH & Co. KG, die Hafenverwaltung Kehl KdöR und die badenova AG & Co. KG arbeiten zusammen, um einen 1-MW-PEM-Elektrolyseur zu installieren, der grünen Wasserstoff, Sauerstoff und Abwärme produziert. 

Der grüne Wasserstoff wird über eine Direktleitung zu industriellen Abnehmern transportiert und für Anwendungen im Bereich der Mobilität zur Verfügung gestellt. Die Abwärme wird zur Wärmeversorgung eines Verwaltungsgebäudes genutzt und der Sauerstoff soll perspektivisch für Anwendungen zum Beispiel im benachbarten Stahlwerk bereitgestellt werden. Das Projekt verfolgt die Ziele Klimaneutralität, Versorgungssicherheit und Sektorenkopplung von Strom, Wärme, Mobilität und Industrie.

Die fischer Edelstahlrohre GmbH realisiert im Rahmen des Vorhabens hyfischer einen 1-MW-Elektrolyseur in Achern. Ziel des Vorhabens ist der Aufbau eines möglichst energieautarken Gesamtsystems zur Erzeugung, Speicherung und Nutzung von grünem Wasserstoff.

Die zentrale Herausforderung besteht darin, industriell nutzbaren Wasserstoff mit unternehmenseigenem Windstrom zu produzieren und das unabhängig von Strommarktbedingungen und Netzengpässen. Durch die Kombination eines leistungsfähigen Elektrolyseurs und einem innovativem Feststoffspeichersystem wird Wasserstoff mit hoher Sicherheit, geringer Umweltbelastung und effizientem Flächenbedarf erzeugt und gespeichert. Erwartet werden ein signifikanter Beitrag zur Dekarbonisierung und die Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten.

 

Die Deutsche ReGas Wasserstoff GmbH wird eine 15-MW-PEM-Wasserstoff-Produktionsanlage in der Gemarkung der Stadt Bruchsal errichten und betreiben.

Die Anlage soll der sicheren und zeitnahen Versorgung lokaler Bedarfsträger mit grünem Wasserstoff in der Region Bruchsal-Karlsruhe dienen. Durch Beimischung in das existierende Erdgasnetz können Wasserstoffkonsumenten bis zum Anschluss an ein Wasserstoffnetz in ihrer Bilanzsumme auf 100 Prozent lokalen, grünen Wasserstoff umstellen. Die entstehende Prozesswärme wird in das lokale Fernwärmenetz der Stadtwerke Bruchsal eingespeist.

 

ZSW

Eine bedarfsgerechte H2-Versorgung im Land schaffen

Im Jahr 2023 wurden die Wasserstoffbedarfe in Baden-Württemberg erstmals ermittelt. Die Ergebnisse der landesweiten Bedarfserhebung zeigen einen höheren und schneller steigenden Bedarf, als es vorherige Analysen angenommen hatten. Besonders deutlich waren dabei regionale Unterschiede mit Blick auf die Höhe und Zeitpunkt der zunehmenden H2-Bedarfe.

Mit dem Wasserstoffkernnetz, soll eine breite Versorgung mit Wasserstoff in Deutschland gesichert werden. Das Kernnetz deckt im aktuellen Planungsstand allerdings nicht alle Regionen in Baden-Württemberg ab und wird bis zur Umsetzung noch Zeit in Anspruch nehmen. So ist beispielsweise zusätzlich der Ausbau des vorgesehenen Wasserstoffnetzes notwendig, der über den Netzentwicklungsplan Gas und Wasserstoff erfolgen muss. Zur Abdeckung von bisher nicht mit Pipeline-Infrastruktur erschlossenen Gebieten ist es deshalb erforderlich, zusätzliche Erzeugungskapazitäten vor Ort aufzubauen.

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