Wasserstoff-Beirat Baden-Württemberg legt 14 Empfehlungen vor
Der Wasserstoff-Beirat Baden-Württemberg hat 14 konkrete Maßnahmen für einen dynamischen Hochlauf der H2-Wirtschaft vorgelegt. Auf dem Wasserstoff-Kolloquium Baden-Württemberg hat das Gremium heute sein Empfehlungspapier vorgestellt. Wertschöpfung und eine auf die Bedürfnisse der Technologieanbieter ausgerichtete Wirtschaftspolitik kommt darin eine wichtige Rolle zu.
Tag Eins beim Wasserstoff-Kolloquium Baden-Württemberg in Stuttgart startete mit einer Premiere: Der Wasserstoff-Beirat Baden-Württemberg hat seine Empfehlungen für den dynamischen Hochlauf der H2-Wirtschaft vorgestellt. Insgesamt 14 Maßnahmen legen dar, welche Weichen gestellt werden müssen, damit der Wasserstoffhochlauf wieder an Fahrt gewinnt. Die Kernbotschaften: Die zu strikte Regulatorik auf EU- und Bundesebene bremst Investitionen aus. Vor allem die EU-Regularien des delegierten Rechtsaktes für grünen und Low Carbon Wasserstoff sollten gelockert werden, um die Produktionskosten zu senken und Investitionen zu ermöglichen. Aber auch die Nachfrage nach Wasserstoff müsse besser durch passende Förderinstrumente stimuliert werden. Bei H2-Infrastruktur und Technologiepolitik sieht der H2-Beirat Handlungsbedarf, um die bereits gute industrielle Basis für den Wasserstoffhochlauf zu erhalten.
Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: „Die Empfehlungen des Wasserstoff-Beirats sind ein wichtiges Signal für den weiteren Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Sie zeigen, dass Baden-Württemberg seine Hausaufgaben macht und die richtigen Weichen stellt. Zugleich wird deutlich: Für mehr Tempo braucht es jetzt entschlossenes Handeln - vor allem auch auf Bundesebene. Mein herzlicher Dank gilt den Mitgliedern des Beirats und allen beteiligten Akteuren. Ihr Engagement für die Wasserstofftechnologie stärkt nicht nur den Klimaschutz, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts und sichert Arbeitsplätze von morgen.“
Drei Handlungsfelder: Markt, Infrastruktur und Technologie
Um die Nachfrage nach Wasserstoff zu beschleunigen, müsse ein funktionierender Markt für klimafreundlichen Wasserstoff geschaffen werden. Gelingen kann dies durch geeignete Anreize und Förderungen. Dabei bekräftigte der H2-Beirat, dass enge Kriterien und Regularien, wie beispielsweise bei der Zertifizierung, den Hochlauf verlangsamen könnten. Daher wird Pragmatismus seitens der Politik gefordert und neben Abnehmern aus der Industrie auch Kraftwerke und Wasserstoff-Hubs als Bausteine der H2-Nachfrage zu beachten – auch mit Blick auf die Systemdienlichkeit bei der (lokalen) Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff.
Beim Thema Infrastruktur sieht das Gremium vor allem bei Fragen der Finanzierung Handlungsbedarf. Durch unzureichende Verzinsung beispielsweise fallen Investitionsentscheidungen seitens der Netzbetreiber beim Ausbau der H2-Infrastrktur schwer. Daher würden hier seitens der Politik Maßnahmen zur Unterstützung der Finanzierung notwendig, um den Wasserstoffhochlauf nicht auszubremsen.
Ein ähnliches Bild zeige sich mit Blick auf die Technologiepolitik, insbesondere im industriellen Kernland Baden-Württemberg. Um die Position des Landes als Schlüsselstandort zu sichern, müssten Wasserstofftechnologien als industriepolitische Zukunftsfrage begriffen werden. Es müsse ein Level-Playing-Field für europäische Unternehmen im internationalen Handel geschaffen werden. Für Baden-Württemberg sei entscheidende Voraussetzung der erfolgreiche H2-Markthochlauf vor Ort.
Nachfrage nach Wasserstoff gezielt anreizen
Den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg zu stärken, indem gerade die Akteure der Wasserstoffwirtschaft beim Markteintritt und -Hochlauf unterstützt werden, war wichtiger Themenpunkt in der Erstellung des Empfehlungspapiers. Die Rolle von wirkungsvollen Nachfrageinstrumenten wurde in den Diskussionen wie auch im Papier betont. Dabei standen sowohl die globale Anwendung, als auch die regionale Ebene im Fokus. Welche Instrumente zur Stimulierung und Stärkung der H2-Nachfrage bereits aktiv sind und welche Vor- und Nachteile mit den jeweiligen Instrumenten einhergehen, vergleicht ein bereits veröffentlichtes Papier des Wasserstoff-Beirats. Die SWOT-Analyse aus dem Jahr 2025 finden Sie hier.